Große Fahrt 2005 // Donau – Klosterneuburg bis Hainburg
Tagebuch von Claus Minixhofer / 7.-9.7.2005 – Impressionen zur Tour 2005
Die 2005er Tour kann als die Fahrt der großen Erwartungen in das Archiv der Mückenstichtouren eingetragen werden.
Es sollte endlich die Donau unterhalb von Hainburg erkundet werden. Für die Befahrung der Donau unterhalb Bratislavas sollte eigens ein Führer engagiert werden. Und für die Überbrückung der Sprachbarriere würde unser slovakischer Freund Jurai, welcher ab der Grenze zu uns stoßen sollte, sorgen.
Große und umfangreiche Pläne zur Befahrung des ehemaligen Flusslaufes im Bereich des Stauraumes der Kraftwerksgruppe Gabcikovo wurden geschmiedet. Sogar Luftbildaufnahmen aus dem Archiv des slovakischen Militärs sickerten über diverse Kanäle bei uns ein. (Vor Google Earth waren genaue Luftbildfotos der Donau aus dem Bereich östlich von Wien schon noch eine coole Sache…)
Es sollte also eine abenteuerliche Fahrt in den ehemaligen Ostblock werden. Und das wurde es dann auch, allerdings in einer gänzlich anderen Art und Weise.
Mit dabei waren (Bootsbesatzungen):
Fred & Bernd
Heinz & ‚Lieutenant Dan’
Max & Wolfgang
Daniel & Gerhard
Harald & Robert
Teddy & Claus
1. Tag: Klosterneuburg – Wien-Ost
Schönes Wetter, gute Stimmung und grimmige Wettervorhersagen erschüttern einen Mückenstichler ohnehin nie
Wir brachten nach einer ruhigen und stressfreien Fahrt unsere Boote an der Fähre bei Klosterneuburg zu Wasser. Bei der Fahrt zur Donau wunderten wir uns noch über die lustigen auf Stelzen stehenden Schrebergartenhäuschen in der Klosterneuburger Au und parkten unsere Autos direkt am Landeplatz der Fähre. Wir fuhren los, allerdings nicht ohne uns vorher von der Gastfreundlichkeit des örtlichen Fährenhafenbeisels zu überzeugen. Die Bosner dort sind echt eine Empfehlung wert.
Die freifließende Strecke bei Klosterneuburg machte viel Spaß und schneller als geglaubt erreichten wir die angepeilte ‚Umsetzstelle’ bei der Nussdorfer Schleuse. Bis auf das teilweise offene Wehr am Eingang zum Donaukanal bietet diese Strecke allerdings keine großen rudertechnischen Herausforderungen. Durch unseren nautischen Leiter Harald waren wir allerdings auf diese Gefahrenstelle bestens vorbereitet und so wussten wir, dass wir uns der Schleuse mit gehörigem Sicherheitsabstand zum Wehrkanal zu nähern hatten. Die Fahrt auf dem Donaukanal mitten durch die Bundeshauptstadt ist nur zu empfehlen, da, im Gegensatz zur Donau im Staubereich des Kraftwerks Freudenau, der Donaukanal eine ordentliche Fließgeschwindigkeit aufweist.
Bei der Schleusung in Nussdorf kam es im Boot von Heinz zu einem kleinen Lapsus bei der Schleusung: Er und ‚Dan’ parkten in einer Nische der Schleuse und übersahen ein bei sinkendem Wasserstand frei werdendes Plateau im Schleusenbecken und die Enterprise fiel am Bug trocken. Mit dem Heck im Wasser bekam das Boot relativ rasch eine abenteuerliche Neigung und war mit dem Gewicht der Beladung von der Besatzung nicht mehr ins Wasser zu bekommen! ‚Dan’ sprang ins Wasser (wie unrühmlich!). Allerdings Heinz blieb in seemännischer Manier als Steuermann und Mückenstichler am Boot bis die durch den fallenden Wasserspiegel immer schräger werdende Enterprise auch ihn ‚abwarf’. So bleibt Heinz bis zum heutigen Tag der einzige der die Nussdorfer Schleuse rudernd erreichte und schwimmend verlies. Also Vorsicht vor ‚ruhigen’ Nischen in der Nussdorfer Schleusenkammer.
Die Badelust der Mannschaften im Donaukanal war allerdings noch nicht vollständig befriedigt:
Harald und Robert gingen beim Anblick einer Wiener Wassernixe (welche oberösterreichischen Dialekt sprach) durch einen bis heute nicht geklärten Fahrfehler baden.
Nach dem Verzehr einer ordentlichen Portion Cordon Bleu in einem echten Wiener Schnitzelgasthaus machten wir uns gestärkt auf die Suche nach einem günstigen Schlafplatz an der Donau östlich von Wien. Die Fließgeschwindigkeit unterhalb von Freudenau ist hoch und der Strom trieb uns schnell an einen lauschigen Landeplatz auf der Höhe von Schwechat an dem wir unser Lager errichteten. Wir ließen den Tag bei Schönwetter und ein paar Schlückchen Wein ausklingen. Allerdings ist dort nicht nur die Fließgeschwindigkeit und die Gelsendichte hoch, sondern auch die Steigrate des Pegels bei Schlechtwetter.
2. Tag: Wien-Ost – irgendwo zwischen Fischamend und Hainburg
Der Tag als der Regen kam und die längste Nacht
Bei Morgengrauen mussten wir feststellen, dass vom so weitläufigen Strand am Ufer, an dem wir unser Lager errichteten, fast nichts mehr zu sehen war. Der Pegel war in der Nacht um gut 1m gestiegen und hatte fast das Zelt erreicht. Mit nur dürftigem Frühstück packten wir bei strömenden Regen in aller Eile die Sachen und stiegen in unsere Boote. Die heftigen Regenfälle und der rasant anschwellende Pegel ließen uns langsam an dem Erreichen unseres Ziels in Ungarn zweifeln. Doch unsere knurrenden Mägen erinnerten uns an eine wesentlich dringendere Aufgabe. In der Nähe von Fischamend gingen wir an Land und genehmigten uns ein ausgiebiges Frühstück, dass wir ausnahmsweise in einem Lokal mit festem Dach über dem Kopf und ‚trockenen Fußes’ zu uns nahmen.
Da es stetig weiterregnete, beschlossen wir relativ bald einen hochwassersicheren Lagerplatz zu suchen. Gerhard versuchte sich im Angeln von ‚Hochwasserkarpfen’ – mit mäßigem Erfolg – und so blieben wir den mitgebrachten Nahrungsvorräten treu. Die Mannschaft versuchte sich mit dem Genuss nahrhafter Getränke bei Laune zu halten und den teilweise ersten Anzeichen beginnenden Wahnsinns (verursacht durch Tieftemperaturdauerregen) durch geistige Beschäftigung entgegenzuwirken. So entstand hier auch die legendäre (nichtoffizielle) Strophe des Mückenstich-Vereinsmarsches. Wegen des weiter rasant steigenden Pegels wurde nun die Strategie geändert:
Am Mannschaftszelt wurden keine Innenzelte aufgebaut und weiters wurde an den Booten Abfahrbereitschaft hergestellt, sodass nur die nötigsten Dinge aus dem Boot entladen werden mussten. Weiters wurde ein Wachdienst für die Nacht beschlossen. Gegen Abend stellte sich heraus, dass unser vermeintlich hochwassersicherer Landeplatz zur Insel verkommen war und wir nun völlig vom Wasser eingeschlossen waren. Wir verbrachten also die Nacht teilweise im Sitzen schlafend abwechselnd innerhalb des trockenen Zeltes und als Wache draußen im Regen.
3-4 Tag: Hainburg und Rückreise
Die Gunst der Fortuna
Gegen 4:00h Früh war es dann soweit: Der Wasserstand erreichte das Zelt und wir mussten in die Boote. Das Lager wurde abgebrochen und wir vertäuten uns bis zur Dämmerung an den aus dem Wasser ragenden Bäumen. An eine Weiterfahrt bei Dunkelheit sollte man vernünftigerweise unter solchen Umständen nicht denken. Der Pegel war im Vergleich zum Vortag nochmals um gut 1,5m gestiegen und die Donau hatte nun Wildwassercharakter. Wir machten uns Sorgen um unsere Autos. Die waren ja nun im Hochwassergebiet der Klosterneuburger Au geparkt und drohten Opfer der Fluten zu werden. Deshalb beschlossen wir die Tour in Hainburg abzurechen. Wir verhefteten unsere Boote zu 2er bis 4er ‚Paketen’ und trieben mit atemberaubendem Tempo über die nun überfluteten Buhnen Richtung Hainburg. Durch das längsseitige, händische Zusammenhalten der Boote entstanden extrem stabile Verbände die gegen den Wellengang und die Strudel auf der hochwasserführenden Donau praktisch immun waren.
Nach teilweise abenteuerlichen Wendemanövern im Kehrwasser des Hainburger Hafens konnten wir alle unsere Boote sicher ans Ufer und aus dem Wasser bringen, fuhren mit der Bahn nach Klosterneuburg und holten, gerade noch rechzeitig, unsere Fahrzeuge aus der Au. Zur Feier des Tages beschlossen wir noch eine Nacht in Hainburg zu bleiben, wo (welch’ glückliche Fügung) am selben Tag ein Zeltfest abgehalten wurde. Fortuna meinte es weiterhin gut mit uns und so kam es, dass sich die Mannschaft für die kommende Nacht günstigst ein komplettes Haus mieten konnte, sodass einem gemütlichen Ausklang dieser recht abenteuerlichen Tour am Zeltfest nichts entgegen stand.
