Große Fahrt 1995

Große Fahrt 1995 // Donau – Melk bis Hainburg

Tourreport von Harald Grill / Juli, August 1995  –  Impressionen zur Tour 1995

Die „große Fahrt“ 1995 – zu diesem Zeitpunkt die größte Tour die wir bislang in offenen Canadiern unternahmen – war ursprünglich als einmaliges Unternehmen geplant. Erklärtes Ziel waren die Hainburger Auen, die wir mit unseren Booten im Rahmen der sogenannten Operation Mückenstich umfangreich erkunden wollten.

 
Aus unserm Logbuch:

Einstieg: Strom km 2040
Oberhalb Donaubrücke Melk linkes Ufer

Ausstieg: Strom km 1884
Hainburg (Altarm beim Heeressportverein)

Wasserführung der Donau: Mittel- bis Niedrigwasser

 
Tag 1

Der Mangel an Erfahrung und optimaler Ausrüstung wurde uns bereits beim Beladen bzw. beim Einstieg in unsere Boote aufgezeigt. Nachdem wir das gesamte Trinkwasser für eine Woche gebunkert hatten, blieb für unser eigenes Körpergewicht nicht mehr ausreichend Freibord. Dieses Problem war durch „Wegschütten“ rasch gelöst und es konnte losgehen.

Nach wenigen Metern hatte eine unserer Landratten die Idee, aus Sicherheitsgründen die gesamte Fahrt in Ufernähe zu absolvieren. Dem konnten wir nach der ersten Begegnung mit einem bergfahrenden Schubverband durchaus etwas abgewinnen. Manche zweifelten bereits in den ersten 300 gefahrenen Metern daran, dass wir die Wachau jemals erreichen werden.

Zwei Stunden später stärken wir uns erstmals auf einer Schotterbank in der Wachau – nach weiteren zwei Stunden ließen wir die schöne Landschaft hinter uns. Es begann nun der Stauraum von Altenwörth und zu regnen. Gegen 20Uhr erreichten wir dann das Kraftwerk Altenwörth, übersetzen in den Altarm und bauten bei völliger Finsternis unser Nachtlager auf.

 
Tag 2

40 km Stauraum lagen vor uns. Am morgen war die Sonne (die uns die nächsten Tage mit Temperaturen von 35°C begleitete) noch eine Belohnung, am Nachmittag waren wir darüber nicht mehr ganz so glücklich.
Da die Donau zwischen Altenwörth und Greifenstein zwischen 2 Dämmen fließt ist die Uferlandschaft bescheiden bis eintönig. Mit einer Fließgeschwindigkeit im Stauraum von deutlich untere 1 km/h gab es für uns jede Menge Paddelarbeit.

Die kleine Belohnung dafür erwartete uns beim Übersetzen in Greifenstein, wo bei einem kleinem Badeplatz ein Eis- und Getränkeverkäufer für uns bereitstand. Wenige Schritte weiter konnten wir uns an ein paar nacktbadenden Schönheiten erfreuen, was uns den Antrieb für das weitere Abenteuer zurückgab.
Die Schotterbänke am linken Donauufer kurz vor Klosterneuburg boten einen idealen Übernachtungsplatz.

 
Tag 3

Das zu dieser Zeit in Bau befindliche KW Freudenau und die laufenden Brückenhebearbeiten in Wien bescherten der Donau (uns somit auch uns) eine überwältigende Fließgeschwindigkeit, sodass wir bei der Durchfahrt durch Wien beinahe den geplanten Besuch der Copa Kagrana versäumt hätten.
Die einzig brauchbare Ausstiegsstelle die wird finden konnten war eine kleine und total verschlammte Einbuchtung kurz vor der Reichsbrücke, wo wir uns anschießend durch jede Menge Gestrüpp zum Radweg durchkämpften und so die Bundeshauptstadt besuchen konnten.

Ein spezielles Hindernis dieses Tages war das KW Freudenau. Da Übersetzanlagen zu diesem Zeitpunkt gänzlich fehlten wurden wir mit einem kroatischen Schubverband, einem unendlich stinkenden ungarischen Tragflügelboot und unzähligen Motorbooten 2m zu Tal geschleust.
Ein landschaftlich sehr reizvolles Plätzchen fanden wir für unsere Übernachtung nahe Orth am linken Donauufer. Durch einen einmündenden Seitenarm entstand ein Landspitz mit einer zur Donau hin flach abfallenden Schotterbank.

Bis zum Einbruch der Dunkelheit teilten wir den Platz mit Milliarden von Steckmücken. Später schwamm unter der Bugwelle des Donaukreuzers „MOZART“ unser Nachtlager einige Meter nauwärts.

 
Tag 4

Mit wenig Anstrengung, da die Donau in diesem Bereich freifließend ist, erreichten wir Hainburg. Bald stellten wir fest, dass aufgrund des geringen Wasserstandes die vielen Seitenarme der Aulandschaft nicht befahrbar sind.
Ortskundige erklärten uns, dass es stromaufwärts weitere Einfahrten in die Seitenarme der Donau gäbe – was uns dazu bewog etwa 4 km bergwärts, zu den weißen Schotterstränden der Schwalbeninsel (bei Deutsch Altenburg) zu rudern, wo wir übernachteten.

 
Tag 5

Die vermeintlichen Einfahrten in die Au konnten wir nicht finden, so begnügten wir uns mit den wenigen Seitenarmen die man von Hainburg (genauergesagt gegenüber) erreichen konnten – verbrachten trotzdem den ganzen Tag in der reizvollen Umgebung, bis wir gegen Abend den Angriffen der Gelsen nicht mehr erwehren konnten.

Zwischen 2 Buhnen, nahe der Einfahrt zur Stopfenreiter Au fanden wir den geeigneten Platz für unsere Übernachtung. Auflandiger Wind, Autan und umfangreiche Körperhygiene hielt uns die Gelsenplage etwas vom Leib.

 
Tag 6

Nachdem wir zum Frühstück sämtliche Proviantreserven vernichtet hatten, übersetzen wir nach Hainburg, gaben unseren Müll beim dortigen Stützpunkt des Heeressportvereines (vielen Dank an dieser Stelle) ab und besichtigen Hainburg.

Mit einer sensationellen Gruppenermäßigung der ÖBB ging’s via Eisenbahn zurück nach Aschach a.d. Donau. Den Bootstransport übernahm ein Bier-LKW der Brauerei Hofstetten.

 
Resümee

Kanufahrten auf der Donau unterhalb von Wien bieten sehr abwechslungsreiche und naturbelassene Flusslandschaften. Gleiches gilt für die Lagerplätze, die an Schönheit und Idylle kaum zu überbieten sind. Einziger Wehrmutstropfen sind die Gelsen, die nirgendwo am gesamten Oberlauf der Donau in derartigem Umfang und so großer Population anzutreffen sind.

Impressionen zur Tour 1995