Große Fahrt 2000

Große Fahrt 2000 // Donau – Höchstädt bis Kelheim

Tourreport von Harald Grill / Juni 2000  –  Impressionen zur Tour 2000

Aufgrund der durchwegs positiven Eindrücke die unsere Fahrt 1998 in Bayern hinterließ, reisten wir zum wiederholten Male zu unseren Lieblingsnachbarn, um ein weiteres Stück der Donau in Bayern zu befahren.

 
Aus unserm Logbuch:

Einstieg: Strom km 2532
Unterhalb des Kraftwerks Höchstädt am rechten Ufer

Ausstieg: Strom km 2413
Kelheim (Anlegestelle der Ausflugsdampfer)

Wasserführung der Donau: Mittelwasser

 
Tag 1

Als Anreisetag wählten wir Fronleichnam, was nicht ganz zu unserem Überraschen in Bayern (nach Außen hin) eine sehr strenge Angelegenheit war. Mehrmals mussten wir bei der Durchfahrt kleinerer Dörfer Wartezeiten aufgrund der gerade im Gange befindlichen Fronleichnamsprozession in Kauf nehmen. Die „Nichtautofahrer“ vertrieben sich die Zeit mit einer Dose Bier, den Autofahrern unter uns blieb nur das Schimpfen über das ländliche Brauchtum.
Schließlich erreichten wir Höchstädt, suchten das Donaukraftwerk und fanden am rechten Ufer die perfekte Einstiegsstelle. Die Zufahrt zum Kraftwerk war mit einem Fahrverbotsschild versehen, dem wir zu diesem Zeitpunkt keine große Bedeutung zukommen ließen.

Unsere Boote waren schnell beladen und es ging los. Die Donau, die wir aufgrund der Breite an der Einstiegsstelle nicht als solche erkannt hätten, wartete mit guter Strömung auf und wir benötigten bis zu unserem ersten Zwischenstopp im nächsten Ort nur wenige Ruderschläge. Wir besuchten eine Wirtschaft in der Hoffnung auf einen kleinen Imbiss, der uns aber jäh verwehrt blieb. Die beiden alten Damen die sich als Chefinnen ausgaben konnten ausschließlich Weißbier anbieten – mit dem wir uns für den Moment auch zufrieden gaben.

Es ging weiter nach Donauwörth, wo wir die einmündende Wörnitz ca. 1km bergwärts befuhren, um in dem dort angesiedelten Kanuverein unser Nachtlager aufzuschlagen. Der Kanuverein hieß uns willkommen, knöpfte uns pro Person 8 DM ab und bot uns einen betonierten Unterstand und saukalte Duschen an.

Endlich fanden wir Zeit für die wohlverdiente Stärkung nach diesem anstrengenden Tag in Form von saftigen Koteletts gebraten am legendären Galgenschwenkgriller des Kanuvereins Donauwörth. Der laue Abend dieses Sommertages klang für uns am Lagerfeuer aus, wo viele bereits einschliefen.

 
Tag 2

Nachdem wir uns die halbe Nacht mit Stechmücken rumgeplagt hatten, erwachten wir am nächsten Morgen bei strömenden Regen. Der Wetterbericht auf Bayern 3 versprach für den ganzen Tag (und auch für die nachfolgenden) durchwachsenes Wetter mit Temperaturen um die 15°C.

Trotz des ungemütlichen Wetters ging es zügig voran und wir konnten an diesem Tag die Selbstbedienungssportbootschleusen der deutschen Donaukraftwerke ausprobieren durch die das lästige und zeitraubende Übertragen der Boote vollständig entfiel. Am späten Nachmittag erreichten wir die die Stadt Neuburg, wo wir aufgrund der starken Strömung beinahe den Anlegesteg des Rudervereins verfehlten. Wir beschlossen, nach umfangreichen und nervenaufreibenden Preisverhandlungen mit dem ansässigen Wirt, unser Nachtlager auf der Zeltwiese des Rudervereins aufzubauen. Später belohnten wir uns mit einem Abendessen in der Altstadt von Neuburg, besuchten diverse Bars und Lokale in der Innenstadt und schlossen den Abend mit einem Döner – extrascharf.

 
Tag 3

Nach ausgiebigem Frühstück und heißer (!) Dusche ging’s donauabwärts, wo uns kurz vor Ingolstadt der erste nennenswerte Stauraum überraschte, den wir noch dazu bei leichtem Nieselregen und Gegenwind zu bezwingen hatten. Das Wetter in Bayern – durchwachsen!

In Ingolstadt landeten wir am rechten Donauufer an und fanden jede Menge Menschen vor, die Vorbereitungen für eine große Abendveranstaltung trafen. Wir fanden heraus, dass auf einer großen Leinwand das Viertelfinalspiel der Fußball WM 2000 dargeboten werden soll – Türkei / Portugal. Wir entschlossen uns kurzerhand in Ingolstadt zu übernachten, fanden etwas stromabwärts am rechten Ufer einen ausrangierten Spielplatz der für uns die perfekte Zeltmöglichkeit bot. Nach einem ausgiebigen Abendessen in der Innenstadt von Ingolstadt wohnten wir der Sportübertragung bei und waren von den Reibereien im Publikum, die das Spiel zwangsläufig hervorbrachte restlos begeistert.

 
Tag 4

Mit großen Erwartungen brachen wir früh auf, leider enttäuschte uns das Wetter unmittelbar nach dem Aufstehen – durchwachsen, Temperatur 10°C! Als wir nach 2-3 Stunden den Stauraum vom Kraftwerk Vohburg erreichten zwang uns ein Regenschauer dazu, über unsere Boote eine brauchbare Überdachung aus Abdeckplanen zu bauen die ein weiteres Vorankommen unmöglich machten. So wetterten wir, im Wasser treibend, die durchziehenden Regenwolken ab und vertrieben uns die Zeit mit Essen und Trinken (später auch mit Gesang).

An der Paar – Mündung, nach der Schleusung im KW Vohburg wurden wir am rechten Ufer auf eine hübsche Frau aufmerksam die angestrengt, vorne übergebeugt, mit einem Schlauchboot hantierte. Wir legten an dem kleinen Schotterstrand an, verwickelten Sie in ein Gespräch und erfuhren, dass heute – genau jetzt – das Bürgerfest im Vohburg im Gange ist.

Kurzer Hand zogen wir die Boote an Land und marschierten mit unseren orangen Schwimmwesten zur Festlichkeit. Dort fanden wir 800 Vohburger auf dem Stadtplatz versammelt und genehmigten uns die eine oder andere Maß Bier. Wenig später knüpften wir Kontakte zur Cheerleadergruppe und zur Band, woraufhin unser Obmann die Bühne betreten durfte und eine kleine Rede an die Bürger von Vohburg richtete. Von nun an waren wir nicht nur jedermann in Vohburg bekannt, dies verhalf uns an diesem Abend zu diversen Einladungen, die von einem Bier bis zum kompletten Frühstück am nächsten Morgen reichten.

Der Heimweg von dieser Festlichkeit war für manche eher beschwerlich, da sie durch die hereingebrochene Finsternis etwas orientierungslos umherirrten, aber dann doch unsere improvisierte Notbehausung – einen Planenverschlag am Donauufer – erreichten.

 
Tag 5

Zum Frühstück suchten wir ein kleines Cafe in Vohburg auf und waren wiederum verblüfft wie viele nette Menschen, denen wir offensichtlich bestens bekannt waren, uns einen Guten Morgen zuriefen.
Frisch gestärkt traten wir die letzte Etappe unserer Fahrt an. Gegen Mittag hegten wir noch Zweifel, ob es sich überhaupt ausginge, heute vor Einbruch der Dunkelheit Kelheim zu erreichen – immerhin sind es gut 30km. Doch bereits der Blick auf die Karte ließ uns hoffen. Es gibt kein Kraftwerk zwischen Vohburg und Kelheim.

Je näher wir unserem Ziel kamen, umso mehr Fließgeschwindigkeit konnten wir beobachten und der Donaudurchbruch, mit seinen beeindruckenden, steil abfallenden Felswänden und sehr eigenen Strömungsverhältnissen, war für die meisten von uns zu schnell passiert.

Wir erreichten am späten Nachmittag Kelheim und nutzen die perfekte Slipanlage am linken Donauufer (noch oberhalb der Anlegegestelle der Ausflugsdampfer), wo wir Boote und Gepäck ohne große Mühe an Land brachten.
Die Autofahrer machten sich auf den Weg nach Höchstädt, wo wir die Fahrzeuge für den Bootstransport abgestellten hatten. Zum Abschluss unserer Bayern-Tour mussten wir feststellen, dass übereifrige Exekutivbeamte unsere Autos mit einem Strafzettel für „Missachtung eines Fahrverbotes“ bedacht hatten – vielen Dank an die fleißigen Ordnungshüter!

 
Resümee

Die Donau kann in diesem Bereich noch mit guter Strömung aufwarten, die Stauräume der Kraftwerke sind nicht nennenswert und die Kraftwerke selbst bieten durch die Selbstbedienungsschleusen für die Bootfahrer großen Komfort.

Die große Fahrt 2000 war eher von Ereignissen an Land als am Wasser geprägt, aber abgesehen vom Wetter in jedem Fall empfehlenswert.

Harald Grill

Impressionen zur Tour 2000