Große Fahrt 2002 // Donau – Thiergarten bis Munderkingen
Tourreport von Claus Minixhofer / Juli 2002 – Impressionen zur Tour 2002
Ein erklärtes Ziel eines jeden Mitgliedes des Flusswandervereines ist, unseren Heimatfluss die Donau, einmal vom Ursprung bis zur Mündung mit dem Kanu kennen zu lernen. Die Operation Mückenstich VIII-2002 brachte uns diesem Ziel wieder ein gutes Stück näher. Wir befuhren eine Strecke der oberen Donau von Thiergarten bis Munderkingen (in der Nähe von Sigmaringen/Echingen). Dabei sollten wir wieder einiges über die Verschiedenartigkeit der Charaktäre der in Mitteleuropa beheimateten Völker dazulernen….
Aus unserm Logbuch:
Bootsbesatzungen:
Gerhard, Daniel
Claus, Teddy
Robert, Harald
Thorsten, Thomas
Heinz, Max
Fred, Bernd
Den Ausgangspunkt unserer Reise bildete das Dörflein Thiergarten, mitten im wunderschönen Schwarzwald. ‚Dörflein‘ ist vielleicht etwas übertrieben, denn Thiergarten besteht eigentlich nur aus einer Bahnstation an welcher kein einziger Zug mehr hält. Dafür ist dieser alte Bahnhof von einem findigen Schwaben zu einem Bootsverleih mit angeschlossenem Buffet umgebaut worden, welcher Ausgangspunkt für viele Flusswanderer ist. Der Name dieses umtriebigen Kerls ist ‚Besi‘ und das ist auch gleichzeitig der Firmenname seines Bootsverleihs (www.besi-kanu.de). Zwei unserer Kameraden hatten bei ihm bereits ein Jahr zuvor ein günstiges Boot erworben und beim Heimtransport des neuen Kanus die Idee zu eben dieser Tour geboren.
Tag 1 (Die lange Nacht beim ‚Besi‘)
Auch Claus nahm nun dieses Jahr die Gelegenheit zum Kauf eines preiswerten Gebrauchtbootes wahr und war fortan Besitzer eines robusten PE-Kanadiers. Da sich die Anreise und die Verhandlungen über den Preis doch bis in die Abendstunden hinzogen, beschlossen wir die erste Nacht am Startpunkt in Thiergarten zu verbringen. Besi, ein gemütlicher Schwabe, stellte uns einen Platz an der Donau und jede Menge Feuerholz zu Verfügung.
Das Bild von der Gastfreundschaft der Schwaben veränderte sich allerdings rasch, als wir bereits beim Lageraufbau Besuch der in einigen Abstand wohnenden ‚alteingesessenen Thiergärtler‘ bekamen. Diese waren über unsere Absicht auf Besis‘ Grund zu nächtigen sehr verstört und fürchteten wohl um die Ruhe in ihrem Paradies. Wir interpretierten dieses, etwas sonderbare Verhalten als eigentümliches Willkommensritual und kümmerten uns nicht weiter darum.
Solange nicht, bis wir Besuch von 2 freundlichen Herren der Polizei aus Sigmaringen bekamen. Diese, wiederum als sehr gemütliche Schwaben einzustufenden Gesetzeshüter, hatten wir schnell von unserer friedlichen Absicht überzeugt und so zogen sie wieder von dannen nachdem Daniel noch ein paar Fotos von ihrem Besuch gemacht hatte.
Tag 2 (Sigmaringen)
Ein ausgiebiges Frühstück inmitten des wunderschönen Donautals stand am Beginn eines wolkenlosen Tages.
Nachdem uns ein weiterer eifriger, selbsternannter Tierschützer & Fischer erklärte, dass in Thiergarten die Vögel einen Mittalgsschlaf halten und deswegen das Einsetzen der Boote nach 14:30h verboten ist (!?!) und es außerdem nur an einem bestimmten Platz erlaubt sei die Boote mit dem Wasser in Berührung zu bringen, beschlossen wir diesen Ort so rasch als möglich zu verlassen. – Natürlich nicht ohne ihm unser Bedauern über seinen bemitleidenswerten Zustand mitgeteilt zu haben.
In Sigmaringen stand nun die erste Bewährungsprobe am Plan. Es galt die Bootsrutsche in Sigmaringen mit den vollgepackten Booten zu bewältigen. Doch die Sache stellte sich als ziemlich harmloses Unterfangen heraus. Zum Befahren dieser Übersetzstelle ist keinerlei fahrerisches Geschick von Nöten. Da sind die Bootsrutschen zwischen Höchstätt und Kehlheim eine wesentlich größere Herausforderung.
Unterhalb von Sigmaringen mäandriert die Donau ziemlich stark. Inmitten dieser schönen Flusslandschaft gibt es mehrere ideale Lagerplätze für eine größere Gruppe. An einer dieser Stellen schlugen wir unser zweites Lager auf. Zum Abendessen gab es wieder eine Spezialität:
Smutje Gerhard zauberte mit seinem Lehrling Bernd köstliches, selbstgebackenes Brot als Beilage zum Grillgut.
Tag 3 (Trockene Altarme und feuchte Feste)
Auch am 3. Tag kündigte sich tadelloses Sommerwetter an. Bei Blochingen galt es wieder eine der vielen kleinen Staustufen zu überwinden. Dabei entschied sich die an Jahren und Erfahrung reichste Mannschaft eines Bootes (Alfred G. & Claus) die Strömung des Triebwasserkanals des Kleinkraftwerks auszunutzen und kam so ohne Anstrengung bis ans Kraftwerk, wo eine kurze Übersetzstelle zum schnellen Überqueren der Staustufe auf die beiden wartete. Nicht so der Rest der Crew:
Diese entschied bereits bei der Abzweigung des Triebwasserkanals zu übersetzen und war dann gezwungen auf dem fast ausgetrockneten Altarm der Donau die Boote schiebend und ziehend bis zum Kraftwerk zu bugsieren. Das allerdings in einer teilweise fast bizarren Umgebung mit freiliegendem, felsigem Flussbettgrund. Hier entstanden auch sicher die besten Fotos der Vereinsgeschichte (siehe Homepage Titelseite). Mit nicht allzu schwer beladenen Booten ist der Altarm beim KW-Blochingen durchaus zu empfehlen. Wer es eher gemütlich angeht, sollte aber den ebenfalls landschaftlich durchaus ansprechenden alten Triebwasserkanal benutzen. Unser Lager schlugen wir in Hundersingen auf. Abends ging es mit dem Taxi zum sehr gemütlichen und lustigen Brunnenfest nach Scheer.
Tag 4 (Von Krankheiten und Eskimorollen)
Am Morgen des 4. Tages kamen wir zu der ernüchternden Erkenntnis, dass wir unsere Tagesetappen ziemlich überschätzt hatten: Wir würden es nicht in der geplanten Zeit bis Ulm schaffen. So setzten wir unser neues Tourziel mit Munderklingen, etwa 25km oberhalb von Ulm, fest.
Leider war an diesem Tag nicht nur das Wetter recht kühl. Zu allem Überfluss wurde auch Harald plötzlich sehr krank und musste die Truppe verlassen. Robert musste von nun an alleine weiterfahren. Dankenswerter Weise konnten wir mit Harald’s Hilfe den für den Rücktransport in Ulm bereitstehenden PKW an diesem Tag noch nach Munderkingen verlegen, sodass für die Rückreise keine Probleme zu erwarten waren.
Bei der Weiterfahrt kam es allerdings doch noch zu einem kleinen Zwischenfall:
Markus und Heinz wollten Claus zu seinem Boot chauffieren, doch leider wurde beim Anlegemanöver der höhere Schwerpunkt bei der Beladung mit 3 Personen unterschätzt. Die Enterprise bekam durch das vorherrschende Kehrwasser starke Schlagseite und kippte! Alle nichtbefestigten Ausrüstungsgegenstände gingen über Bord, darunter auch die Axt und die Baumsäge.
Die darauffolgende Nacht in einem Park in Riedlingen wurde für die Besatzung der Enterprise zu einem recht feucht-kühlen Erlebnis.
Tag 5 (Munderkingen)
Durch die Vorverlegung unseres Zielpunktes hatten wir am letzten Tag Zeit für eine ausgiebige Mittagsrast auf einer der vielen Schotterbänke zwischen Riedlingen und Munderkingen. Es gab ein riesiges Omelett. Zur Vorbeugung gegen eine eventuelle Salmonellenvergiftung reichte uns unser Smutje Whiskey. Das letzte Lager schlugen wir am Gelände des Rudervereines Munderkingen auf. Der Platz eignet sich hervorragend für eine Nächtigung und liegt gleich in der Nähe des historischen Stadtzentrums. Zur Vervollständigung dieser Reise der kulinarischen Spezialitäten wurde über offenem Feuer ein Grießschmarren mit Früchten bereitet. Der zuständige Geschirrwäscher an diesem Abend war nicht zu beneiden…
Tag 6 (Aufbruch mit Hindernissen)
Der Tag der Heimreise begann früh am Morgen mit der Abholung der restlichen Transportfahrzeuge aus Thiergarten. Es stellte sich heraus, dass unser Lager nur durch eine eher altersschwache Fußgängerbrücke von der Stadt her erreichbar war. Glücklicherweise passten die Radstände unserer Autos genau zum Abstand der Brückenträger, sodass sich das Bauwerk langsam, aber ohne Probleme passieren ließ. Das sahen offenbar ein paar Einheimische anders und schickten uns wieder Besuch von der städtischen Polizei. Die etwas verblüfften (‚Wie kommt ihr bloß mit den Autos über diese Brücke?‘) aber freundlichen Herren zeigten sich sehr kooperativ und ließen uns straffrei ziehen, sodass einer entspannten Heimfahrt von dieser abwechslungsreichen Reise nichts mehr im Wege stand.
Claus Minixhofer
