Große Fahrt 2001

Große Fahrt 2001 // Thaya – Raabs bis Vranov

Tourreport von Claus Minixhofer / Juni 2001  –  Impressionen zur Tour 2001

Dieses Abenteuer führte uns entlang des wilden, unberührten Oberlaufes der Thaya, durch das nördliche Waldviertel, über die Grenze in die Tschechische Republik. In einem wildromantischen Tal befuhren wir einen, wie wir später erst erfahren sollten, bislang unbefahrenen bzw. als unbefahrbar geltenden Flussabschnitt des nördlichsten Grenzgewässers Österreichs. Neu dabei war dieses Jahr Gerhard R. dessen Kenntnisse als Spengler uns noch von großem Nutzen sein sollten.

 
Aus unserm Logbuch:

Bootsbesatzungen:

Gerhard H., Daniel
Claus, Teddy
Robert, Harald
Thorsten, Thomas
Heinz, Gerhard R.
Fred, Bernd

 

Doch nun zur Vorgeschichte – oder wie kamen wir auf die Thaya? Eigentlich war für dieses Jahr ja die Befahrung der Enns in ihrem Unterlauf geplant, um einer Tradition folgend, die Fahrt in einem Donauzubringer zu beginnen und mit der Befahrung einiger Stromkilometer auf der Donau zu beenden. Nach tagelangen, heftigen Regefällen war die Hochwassersituation der heimischen Donauzubringer in diesem Juni 2001 äußerst gespannt. Besonders der Pegelstand der Enns machte einigen von uns massives Kopfzerbrechen. Der Termin der OP VII war fixiert, wir konnten die Aktion nicht mehr verschieben, und an Abbruch denkt ein echter Flusswandersmann ohnehin nie… Nach heftigen Diskussionen einigten wir uns darauf, auf die Befahrung der Enns zu verzichten und eine Alternativvariante zu wählen. Die Wahl fiel auf die Thaya und wir planten in Raabs einzusetzen und zumindestens bis Hardegg dem Lauf der Thaya zu folgen. Doch wie so vieles auf dieser Expedition kam alles ganz anders…

 
Tag 1 (die Anreise)

Nach kurviger Fahrt durch die Weiten des nördlichen Niederösterreichs erreichten wir gegen Mittag den Ausgangspunkt unserer Reise. Eigentlich wollten wir auf dem einladenden Marktplatz von Raabs noch ein Mittagsmahl einnehmen, doch der Geruch eines mit sehr lang abgelegenen Schlachtabfällen beladenen Tierkadavertransporters, dessen Besatzung ebenfalls am schönen Ortsplatz gefallen fand und ausgiebig Mittag machte, ließ den Appetit der Mannschaft urplötzlich verschwinden und uns nach einem passenden Einsetzplatz suchen. So nahmen wir am frühen Nachmittag die Fahrt auf einem uns völlig fremden Fluss auf. Bereits nach den ersten Ruderschlägen war klar: Die Entscheidung für die Thaya war goldrichtig gewesen. Das Wetter hier war toll und bereits kurz nach Raabs verschwindet der Fluss in einem unberührten Tal und ermöglichte den Ausblick auf eine Flusslandschaft von zum Teil atemberaubender Schönheit.

Sehr viele kleine, halbverfallene Wehranlagen und Steinwürfe im Fluss machten das Manövrieren schwierig und schon nach kurzer Zeit war eines klar. Der niedrige Wasserstand der Thaya sowie das felsige Flussbett wird unseren Polyestercanadiern stark zu schaffen machen.

Am Abend wurde ein Gemeinschaftslager unter dem Baldachin errichtet und als Abendessen eine Besonderheit vorbereitet: Es gab Hühnchen, im Erdofen gegart. Das Problem war nur, dass das Huhn nach 2h „Garen“ im Erdofen noch immer fast tiefgefroren zum Vorschein kam, und den einzigen Lebewesen denen diese Art der Zubereitung mundete, waren die auf dem Fleisch krabbelnden Ameisen. Doch unser Smutje Gerhard H. hielt die hungrige Mannschaft gerade noch vom Verzehr der rohen Fleischteile samt Ameisen ab, improvisierte und ‚zauberte’ noch ein köstliches Hühnerbarbecue auf die leeren Teller, das allen wunderbar schmeckte – Hunger ist eben doch der beste Koch…

 
Tag 2 (Wildnis)

Obwohl es Ende Juni war fielen die Nachttemperaturen hier im Norden bei sternenklarer Nacht auf knapp über den Gefrierpunkt, was besonders 2 Kameraden schwer zu schaffen machte. In ihrem vorbildlichen Engagement für besonders leichte und rudimentäre Ausrüstung hatten sie sich extrem dünne und leichte Schlafsäcke gekauft („Mc Kinley ultralight 800“) deren „Komforttemperaturbereiche“ in diesen Nächten wohl sehr weit unterschritten wurden. Mit Zufuhr der richtigen Menge an kalorienreicher Flüssigkeit ließ sich jedoch auch dieses Problem lösen. Nach einem ausgiebigen Frühstück setzten wir unseren Weg fort, der von kurzen Staustrecken und unzähligen kleinen Wehren gebildet wurde.

Für das Übersetzen der schwer beladenen Boote über die flachen Wehre war sehr schnell ein effektiver und schneller Vorgang in jeder Bootsbesatzung eingeführt und so gestaltete sich das bis dahin gefürchtete Übersetzen zu einer spaßigen Abwechslung zum Rudern. Doch dann geschah es: Die Boote hatten beim Übersetzen teilweise tiefe Schrammen abbekommen und die Bootshaut wurde an exponierten Stellen undicht. Alle Polyesterboote waren betroffen. Einzig Haralds PE Boot hatte die Belastungen bis jetzt unbeschadet überstanden. Doch auch hier wurde die Improvisationskraft des Teams unter Beweis gestellt. Denn Gerhard R. (von Beruf Spengler) dengelte aus leeren Bierdosen und Klebeband eine recht robuste Kielpanzerung zusammen, die das Eindringen des Wassers auf ein erträgliches Maß reduzierte. Bei Drosendorf (der letzten Ortschaft auf Österreichischer Seite) lernten wir auf einen Campingplatz eine sehr nette Wiener Familie kennen, die 2 unserer Kameraden prompt nach Raabs chauffierte, um dort das dringend für die Reparatur benötigte Polyesterharz zu besorgen. Wir ruderten noch einige Stunden, bis wir am Abend in einem kleinen Dörfchen eintrafen. Wir hatten das erste Dorf auf Tschechischer Seite erreicht. Nach einigen ersten Erkundungsgängen waren die wichtigsten Informationen eingeholt: Das Dorf hieß Pohrady und die Dorfschänke war geöffnet. Der Abend war gerettet!

 
Tag 3 (Pohrady oder „wo war die Grenze?“)

Der Tag begann mit einem gemütliche Frühstück. Gemütlich, solange bis 2 nette Herren in Uniform auftauchten, wir wollen sie des weiteren Ollek und Lollek nennen, und uns aufforderten, unsere Pässe zu zeigen. Ollek und Lollek konnten offenbar kein Wort Deutsch (zumindestens taten sie so) und wir kein Wort Tschechisch. So wurde eine Dolmetscherin geholt, die (offiziell) nur Englisch konnte und nach kurzer Zeit war klar: Wir hatten die Grenze illegal passiert und somit das Delikt eines illegalen Grenzübertrittes am Hals. Zuerst fragten Ollek und Lollek uns nach dem Parkplatz unserer Autos. Als wir unsere Art des Einreisens erzählten, wurde uns erklärt dass diese Strecke noch nie jemand befahren hatte. Wir hatten also eine Erstbefahrung hinter uns! Alfred F. opferte sich und fuhr mit Ollek und Lollek und der streng dreinblickenden Dolmetscherin zum nächstgelegenen Grenzposten. Was dort geschah bleibt ein Geheimnis, jedenfalls kam Alfred F. nach einiger Zeit mit einer Aufenthaltsgenehmigung von 48h für uns alle zurück! Allerdings mussten wir in Summe eine Strafe von ca. ÖS2500.- bezahlen. Die lange Warterei auf Alfred wurde zur Reparatur der Boote genutzt und so konnten wir also beruhigt weiterfahren. Am späten Nachmittag entdeckten wir einen idyllischen Campingplatz und errichteten dort unser Lager. Zu den dortigen Preisverhältnissen sei nur soviel gesagt: Der Obmannstellvertreter borgte sich und für 5 seiner Kameraden am frühen Abend umgerechnet ÖS200.- aus der Bordkassa, um in der örtlichen Lokalität den quälenden Durst zu stillen. Um ca. 6h Früh kamen sie, nachdem sie ihren Durst gestillt hatten wieder, und gaben dem Kassier noch umgerechnet ÖS140.- Restgeld zurück (!).

 
Tag 4 (Vranov)

Ungefähr 6km nach Pohrady verkommt die Thaya bis Vranov zu einem einzigen riesigen Stausee. Das Wasser ist sehr sauber und die Landschaft wunderschön, allerdings bietet diese Strecke wenig Abwechslung. Besonders bei dem stark wirkenden Gegenwind wurde die Fahrt in den langen Mäandern der Thaya zur Herausforderung. Bei Vranov versperrte dann eine riesige Staumauer die Weiterfahrt und somit wurde Vranov zum Endpunkt unserer Reise. Kurz vor davor gibt es einen sehr schön gelegnen Campingplatz samt Freizeitzentrum. Diesen nutzten wir zur Nächtigung für unseren letzten Abend auf dieser großen Fahrt.

 
Tag 5

Bereits am Vormittag kam ein von Gerhard R. organisierter Bus und brachte die Chauffeure zu ihren Fahrzeugen zurück. Danach ging es zurück in Richtung Heimat. In einem Gasthaus bei Drosendorf fand die Fahrt bei traditionellem Putengordon und Weißbier ihren zünftigen Ausklang.

Abschließend ist zu sagen, dass diese Route zu den bislang abwechslungsreichsten und interessantesten Touren gehört die der Flusswanderverein in seiner abwechslungsreichen Geschichte durchgeführt hat. Diese Tour kann nur weiterempfohlen werden! Einziger Nachteil: Unbedingt vorher Informationen über die aktuelle Wasserführung der Thaya einholen, sonst könnte die Fahrt ein jähes, „trockenes“ Ende finden.

Claus Minixhofer

Impressionen zur Tour 2001