Große Fahrt 1999

Große Fahrt 1999 // Thaiya, March, Donau – Bernhardsthal bis Hainburg

Tourreport von Heinz Ziehfreund / Juni 1999  –  Impressionen zur Tour 1999

„Und wird das Wasser sich entfalten,
Sogleich wird sich`s lebendig gestalten.
Da wälzen sich Tiere, sie trocknen zum Flor,
Und Pflanzen-Gezweige, sie dringen hervor.“

J.W. v. Goethe

Unsere diesjährige Flusswanderung führte uns durch das prächtige Naturschutzgebiet der Donau-March-Thaya-Auen, wo sich das Wasser der Flussläufe noch frei entfalten und gestalten kann. Dieses 3- Flüssegebiet in Österreich, Slowakei und Tschechien formt die größten zusammenhängenden Aulandschaften Mitteleuropas. In diesem weitestgehend ökologisch intakten Lebensraum sind eine große Artenvielfalt an Farn- und Blütenpflanzen z.B. Krebsschere und Tieren wie z.B. Flussseeschwalbe, Seeadler, Weißstorch, Hundsfisch, Europ. Sumpfschildkröte, Biber beherbergt. Das gesamte Gebiet bildet das trilaterale Ramsar(1)-Gebiet „Auen im Zusammenfluss von March, Thaya und Donau“.

 

(1) Die Ramsar-Konvention (Vertrag) ist das erste globale Naturschutzübereinkommen für den Erhalt und Schutz von Feuchtgebieten. Der Konvention gehören 138 Staaten an und sie umfasste per Jänner 2004, 1328 Gebiete (davon 16 in Österreich).

 
Aus unserm Logbuch:

Bootsbesatzungen:

Alfred F. / Günter
Heinz / Max
Claus / Alfred G.
Harald / Robert
Daniel / Gerhard

Einstieg: Bernhardsthal an der Thaya

Ausstieg: Strom km 1884
Hainburg – Zollplette am rechten Donauufer

Wasserführung der Donau: Mittelwasser

 
Tag 1

In Bernhardsthal angekommen erkundigten wir uns am Gemeindeamt nach einem möglichen Einsetzort für unsere Kanus. Vom Gemeindemitarbeiter wurden wir freundlich empfangen, und er war so nett und fuhr mit einem VW-Bus die Strecke bis zu einer guten Einsetzstelle am Ufer der Thaya vor uns her. Kaum waren wir im bewachsenen Ufergürtel der Thaya aus unseren Autos ausgestiegen sind auch schon die ersten Gelsen auf uns losgestürmt. Das grasgrüne Wasser der Thaya spiegelte die Farbe der üppigen, wildwachsenden Pflanzenwelt entlang des Flussufers wieder. Beim Baden an einem Kiesstrand waren wir doch ein wenig erstaunt als wir Flussperlenmuscheln sahen. Wir flusswanderten am ersten Tag bis Hohenau, wo wir nach zäher Übersetzung der Pontonbrücke (Grenzübergang) unserer Lager aufschlugen.

 
Tag 2

Durch die Naturbelassenheit und unser gemütliches Vorwärtskommen im „Bootsverband“ konnten wir in aller Ruhe die mäanderförmige Flusstrasse der March, die vielen Biotope und Nebenarme und so manchen Adler und Storch beobachten. Entlang des rechten Flussufer sahen wir zahlreiche Fischerstände mit Fischernetzen, Bänken und kleinen alten bescheidenen Holzhütten. Wie wir organoleptisch leider feststellten verschlechterte sich die Wasserqualität der March je näher wir zur Mündung in die Donau kamen. So war uns nach Anlegen, Boote an Land ziehen und Camperrichtung auf Höhe von Angern gar nicht so recht nach einem Waschgang in der March zu Mute. Harry mußte wohl oder übel aufgrund vorangegangener Speisesünden seinen A….llerwärtesten im kühlen Nass baden. Nach dem Abendessen in der Natur zog uns die Gaumenfreude nach einem Gläschen heurigen Wein in das Geschehen nach Angern. Dort angekommen besuchten wir einen kleinen gemütlichen Buschenschank und genossen den kredenzten Wein. Da in diesem kleinen Ort die Leute eher ans schlafen gehen als an Feierlichkeiten denken, wurde zum Leidwesen mancher Ruderknechte unsere Mundschenke bald geschlossen. Auch beim Ortsrundgang zu später Abendstunde (besser frühen Morgenstunde) wurde kein offenes Lokal gefunden, sodass auch die noch übrig gebliebenen Ruderknechte den Weg zurück ins Camp antreten mußten. Teddy war heute nicht ganz fit und so mußte Claus auch die Maschinistenfunktion auf der „Enterprise“ übernehmen.

 
Tag 3

Bei herrlichem Sonnenschein – wir hatten die ganze Flusswanderung herrliches Sommerwetter- legten wir vormittags ab und mussten aufgrund der geringen Fließgeschwindigkeit ordentlich paddeln um unseren Ziel Hainburg näher zu kommen. Plötzlich zerriss ein lautes Knattern die idyllische Stimmung am Marchstrom. Am Horizont tauchte ein Hubschrauber auf, welcher dicht über dem Boden direkt zu uns flog, einige Kreise drehte und dann wieder verschwand. Es handelte sich wahrscheinlich um einen Überwachungsflug zur Grenzsicherung, da kurz vor unserer Befahrung Flüchtlinge mit einem Boot über die March nach Österreich flohen. Am Abend erreichten wir den March – Kilometer „0“ und so konnten wir bereits unser Lager unter mächtigen Weiden am sandigen Donauufer aufschlagen. Am Lagerfeuer wurde der „Anfänger-crew Max + Heinz“ als Einstimmung für das am nächsten Tag geplante Übersetzen der Donau noch die Abenteuergeschichte von der beinahe Kollision von Daniel und Gerhard mit einem Tragflügelboot erzählt.

 
Tag 4

Das Übersetzen der Donau funktionierte bei allen gut, wobei Fred+Günther durch ihre gekonnte und kraftvolle Rudertechnik in der Strömung kein bisschen abgetrieben wurden. Max+Heinz konnten die von Fred+Günther vorgezeigte Ideallinie bei weitem nicht fahren und wurden von der Strömung ein gutes Stück Richtung Bratislava abgetragen. Glücklich, gut am rechten Ufer angekommen zu sein, gönnten wir uns ein erfrischendes Bad in der sauberen Donau. Danach paddelten wir zu unserem Zielort Hainburg. Nachdem wir die Kanus und sämtliche Ausrüstung am Ufer ausgeladen hatten, zeigten sich am nördlichen Himmel Wolken und ein Wind frischte auf. Ein vertrauenserweckender Einheimischer der unser Anlegen und Ausladen beobachtete wurde gefragt, ob mit Regen zu rechnen ist. Dieser sagte mit einer Selbstverständlichkeit das es nicht Regnen wird. Die Aussage war ein großer Irrtum, denn kurze Zeit danach brach ein gewaltiges Unwetter über uns herein und wir wurden patsch nass und unsere Ausrüstung wurde arg in Mitleidenschaft gezogen.

Heinz Ziehfreund

Impressionen zur Tour 1999